Eine ausgewogene und bedarfsgerechte Fütterung ist die Grundlage für eine rentable Legehennenhaltung mit hoher Eiersicherheit und guter Schalenqualität. In diesem Beitrag erkläre ich die wichtigsten Ernährungsgrundlagen, typische Futterkomponenten, die Rolle von Mineralstoffen und Vitaminen sowie praktische Ansätze zur kosteneffizienten Förderung einer gesunden Eierproduktion.

Ernährungsgrundlagen: Energie, Protein und Aminosäuren
Legehennen benötigen eine auf ihre Produktionsphase abgestimmte Zusammensetzung. Wichtige Nährstoffgrößen sind:
- Metabolisierbare Energie (ME): üblicherweise im Bereich von ca. 11,5–12,5 MJ ME/kg Futtermittel. Die Energiezufuhr steuert Futteraufnahme und Legeleistung.
- Rohprotein: meist zwischen 15–18 % je nach Alter und Legeleistung. Wichtig ist nicht nur die Proteinmenge, sondern die Ausgewogenheit der essentiellen Aminosäuren (vor allem Methionin, Lysin, Threonin).
- Aminosäuren: Bedarf an Lysin liegt typischerweise bei 7–9 g/kg (0,7–0,9 %), Methionin + Cystin bei ca. 6–7 g/kg. Durch Zusatz gereinigter Aminosäuren lässt sich Rohprotein reduzieren und Kosten sowie Stickstoffaustrag verringern.
Mineralstoffe und Vitamine: Fokus auf Calcium, Phosphor und Vitamin D
Für die Schalenbildung ist Calcium das entscheidende Element. Richtwerte:
- Calcium: übliche Gehalte in Legefutter liegen bei 3,5–4,5 %; ältere Hennen brauchen tendenziell mehr Calcium.
- Phosphor: Wichtig ist vor allem verfügbarer (nicht-phytischer) Phosphor. nPP-Werte bewegen sich häufig im Bereich 0,25–0,45 %; die Zugabe von Phytase erhöht die Phosphorverfügbarkeit einer pflanzlichen Ration erheblich.
- Vitamin D3: fördert Calcium- und Phosphoraufnahme; besonders bei Stallhaltung mit wenig Sonnenlicht wichtig.
- Spurenelemente: Zink, Mangan, Kupfer und Selen sind wichtig für Gesundheit, Immunstatus und Schalenqualität. Biotin und Vitamin E unterstützen Gefieder und Stoffwechsel.
Futterzusammensetzung und Rohstoffe
Typische Bestandteile von Legemischungen sind Mais, Weizen, Gerste, Sojaextraktionsschrot (als Proteinquelle), Rapsschrot, Sonnenblumenextraktionsschrot, sowie mineralische Komponenten (Calciumkarbonat, Monocalciumphosphat). DDGS, Hefe, Nebenprodukte der Nahrungsmittelindustrie und lokale Rohstoffe können wirtschaftlich eingesetzt werden; dabei sind Variabilität in der Futterqualität und mögliche Anti-Nährstoffe zu beachten.
Technik und Form
Futter steht als Mash, Crumble oder Pellet zur Verfügung. Pellets reduzieren Selektionsverhalten und -verlust, können jedoch die Maulstruktur beeinflussen. Partikelgröße und die Bereitstellung von grobem Calcium (Kalksteinschrot oder Muschelkalk) sind für die Schalenqualität wichtig: grobe Calciumquellen wirken als Speicher und geben Calcium zeitlich verzögert ab, was die Schalenbildung nachts unterstützt.
Fütterungsstrategien zur Kosteneffizienz
- Phasen- bzw. Produktionsorientiertes Füttern: Starter, Grower und Laying-Phasen getrennt formulieren. Innerhalb der Legeperiode können jüngere und ältere Tiere unterschiedliche Mineralstoffgehalte benötigen.
- Auf Phytase und Enzyme setzen: Durch Phytase reduziert sich der Bedarf an anorganischem Phosphor; Enzyme verbessern die Verdaulichkeit und senken Futterkosten.
- Aminosäuren-Balancing: Durch Zusätze synthetischer Aminosäuren lässt sich der Rohproteingehalt reduzieren, ohne Leistungseinbußen — das spart Kosten und reduziert Stickstoffaustrag.
- Split-Feeding: Gezielt mehr Calcium am Abend geben oder kahlen Zeiten ausnutzen, um die Schalenbildung zu unterstützen.
- Lokale Rohstoffe und Mischfutter einkalkulieren: Einkauf in großen Mengen, Verträge mit Zulieferern und eigene Mischanlagen können kurzfristig Kosten senken, setzen aber Qualitätskontrolle voraus.
Wasser, Hygiene und Futterlagerung
Sauberes, jederzeit verfügbares Wasser ist genauso wichtig wie das Futter. Wasseraufnahme beeinflusst Futteraufnahme und damit Legeleistung. Futterlagerung muss trocken, kühl und vor Schädlingen geschützt sein. Mykotoxine in Körnern können Leistung und Gesundheit stark beeinträchtigen — regelmäßige Probenahme und ggf. Einsatz von Mykotoxinbindern sind ratsam.
Überwachung und Kennzahlen
Regelmäßige Kontrolle der Leistungsparameter hilft, Futtereffizienz zu bewerten:
- Legeleistung (Eier pro Henne und Tag)
- Eiershellqualität und Gewicht
- Futterverbrauch und Futterverwertung (FCR): für Legehennen typischerweise ca. 2,0–2,5 kg Futter pro kg produziertes Ei, je nach System und Genetik
- Körpergewichtsentwicklung und Uniformität
Praktische Tipps zur Verbesserung der Schalenqualität
- Sicherstellen, dass ausreichend grobe Calciumquellen verfügbar sind (Abends verfüttern).
- Vitamin-D-Versorgung prüfen, besonders bei innenstehender Haltung.
- Stress reduzieren (Platz, Lichtmanagement, Stallklima), da Stress die Kalziummobilisierung beeinträchtigt.
- Bei anhaltenden Problemen Laboranalyse von Eischalen und Blutparametern sowie Futteranalyse durchführen.
Nachhaltigkeit und Umweltschutz
Effiziente Fütterung bedeutet auch geringere Umweltbelastung. Durch Optimierung des Aminosäureprofils und Reduktion von überschüssigem Rohprotein kann der N-Eintrag in den Stall und damit die Ammoniakemission reduziert werden. Präzise Mineralstoffgaben und der Einsatz von Phytase verringern den Phosphorüberschuss im Stall.
Fazit
Eine gut geplante Fütterungsstrategie berücksichtigt Energie, Proteine und die richtige Versorgung mit Calcium, Phosphor, Vitaminen und Spurenelementen. Wirtschaftlichkeit entsteht durch die Kombination von hochwertiger Rohstoffauswahl, gezielten Zusatzstoffen (Phytase, Aminosäuren, Enzyme), guter Stallhygiene und kontinuierlicher Leistungsüberwachung. Für konkrete Rationsberechnungen und Anpassungen an lokale Rohstoffe empfiehlt sich die Zusammenarbeit mit einem Fütterungsberater oder Tierernährungswissenschaftler.
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Sehr hilfreicher Beitrag! Besonders die Hinweise zu Phytase und grobem Calcium fand ich praxisrelevant. Habe damit bei unseren Hühnern die Schalenqualität deutlich verbessert.
Könnte jemand Erfahrungswerte zum Einsatz von DDGS in Legehennenrationen teilen? Ich überlege, einen Teil des Mais-Soja-Anteils zu ersetzen.
Toller Überblick. Ergänzend möchte ich noch auf die Bedeutung sauberer Trinkwassersysteme hinweisen — das wird oft unterschätzt.